Der Morgen davor

10
Okt 09
Paddy, Emergenza Finale 2006

Paddy, Emergenza Finale 2006

Da dieses Blog ja unter dem Titel “die unzensierte Lebensgeschichte einer Rockband” steht, werde ich Euch mal beschreiben, wie so ein typisch-langweiliger Konzert-Morgen bei mir aussieht. Das ganze beginnt mit dem üblichen: Das Telefon klingelt. Werktags isses immer ein absolut wichtiger Notfall inner Firma, der mich ausm Bett holt (”Ich wollte Dir nur sagen, dass ich einen Rechner neu gestartet habe.”) – aber an einem Samstag? Achja, Konzert heute…

Ich mache hier einen Einschnitt: Es ist jetzt gerade 12:00 und das Telefon hat inzwischen unübertriebene 7 mal geklingelt und ich habe etwa genausoviele Anrufe getätigt. Schön, wenn man wichtig ist.

Also, was passiert so an einem Morgen vor einem Konzert? Da ich (Mr.Wichtig) ja nunmal Veranstalter der ganzen Geschichte bin, ist es kein gemütlicher “hingehen-spielen-saufen” Gig. Hier heißt es vielmehr “betteln-beten-Beine machen”. Im großen und ganzen ist man als Veranstalter der Fußabtreter für jeden.

Der Tag beginnt also mit familiären Anfragen auf dem AB. Wo genau, und wann genau nochmal das ganze stattfindet. OK. Ich bin wach. Kaffee her, Rechner an. Katastrophen bahnen sich immer dann gewaltig an, wenn man vergisst seine Mails zu lesen.

Der AB blinkt weiter. Paco: “Wie soll ich denn DA hinkommen?”. Keine Ahnung. Hab ja selbst kein Auto heute.

Der erste Schluck Kaffee ist kaum runter, da nölt Holger mir ins Ohr: “Ich rödel schon seit drei Stunden!”. Darauf kann ich vor dem ersten Kaffee nur lapidar antworten: “Weißt Du warum ich Vorsitzender bin und Du nicht? Weil ich cool bleibe wenn Du arbeitest.” Es stellt sich heraus, dass wir ein Problem haben. Da TYV kurzfristig das Konzert abgesagt haben, fehlt Equipment. Ein 4×12” Töner muss her. “Ich kümmer mich drum.”

Erstmal Paco zurückrufen. Der Pennt noch. Super. Dann mal rumfragen wer noch ne 4×12” mitbringen kann. Überall nur Mailboxen. Super. Bin ich denn der einzige, der wach ist? Achja, Holger rödelt ja schon seit Mitternacht. Da hätte er sich doch schon längst darum kümmern können!

Am Rechner tummeln sich exakt 104 Spam-Emails, die den Filter passiert haben (der 1218 Mails abgefangen hat). Ich sortiere und habe Schwein, keine weitere Absage dabei. Im Kopf gehe ich nochmal den Plan für heute durch. Frank wollte so ab 12:00 hier aufschlagen. Aber der hat sicher gesoffen und ist schwer verkatert. Habe ich noch genug Kaffee da? Paddy trifft sich zeitgleich mit unserem Roadie Pat, um bei Paco das notwendige Zeugs zu laden: Drumset, Bassanlage, Kleinkram. Hoffentlich vergisst der den Schlagzeugteppich nicht. Ich ruf besser gleich mal an und stelle fest, alles läuft überhaupt nicht nach Plan. Die Roadie-Planung musste aus verschiedenen Gründen umdisponiert werden. Kati hilft aus. OK, dann wirds werden, die kriegt das auf die Reihe.

Um 14:00 wird Holger dann also vorbei kommen, um mich abzuholen. Eigentlich könnte Paco dann hierhin kommen und mitfahren. Bei Paddy mitfahren geht ja nicht, kein Platz.

Das Telefon klingelt. Paco.. trifft sich gut. Dann klingelts nochmal: Ralf. Die zweite 4×12”er bringt er mit. Cool. Ich rufe Holger an, der freut sich.  Ich soll mal Scargot anrufen und sagen, die brauchen keine 4×12” mitbringen, wenn Ralf das schon macht. Hä? Also hatte der Sauhund doch schon ne zweite organisiert… Aber gut, Scargot haben kein Auto und da so eine große Box transportieren wäre fies. Nur habe ich keine Handynummer von denen. Na toll. Irgendwo hatte ich mal ne Myspace-Adresse. Die muss es auch tun.

Also zurück zum Plan. 14:00 abfahrt. Paco an der U-Bahn Haltestelle auflesen. Aufbau um 14:30. Wir werden die Bühne nach vorne ausbauen müssen. Holger hat eine 4×12” Box, Mischpult und FOH-Equipment m Hänger, der Rest der Frontline wird vom Haus gestellt. Paddy hat Bassturm und Drumset im Kombi. Die zweite 4×12” Boxen bringt Ralf von SlickGene mit. Alle Aufbau-Menschen haben einen Platz im Auto. Ich hab das Recording-Equipment. Prima. Ich rufe Frank an, der ist fast so gut wie auf dem Weg den Gedanken zu fassen vorbei zu kommen. Klingt richtig wach. Verdammt, wenn der nicht so richtig gesoffen hat wirds ein lahmer Auftritt. Ich hasse es, wenn er meine Pläne durchkreuzt. Hab ich noch Fusel für “in’n Kaffe”? Mal nachschauen…

PS: Es ist nun 12:46. Während ich das schrieb führte ich drei Telefonate. Frank hat inzwischen die Schuhe angezogen. Ich hab noch Fusel. Alles wird gut.

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