Der Morgen danach

11
Okt 09
Monitor weg?

Monitor weg?

Aua. Das ist nach solchen Abenden häufig mein erster Gedanke.

Aber beginnen wir mal von vorne. Unser Alkoholpegel hatte sich bereits vor dem Aufbau mit einem zartem Winken von 0,00 Promille verabschiedet. Ich hab’ das mit dem Kaffee wahr gemacht, und wir brauchten dann noch Bier um den ekligen Geschmack los zu werden.

Kein Wunder also, dass der Aufbau wie am Schnürchen lief. Gut, Holger war ein wenig gereizt, weil ihm ne Endstufe abgeraucht ist. Und die Monitorwege am Mischpult zeigtem ihm das akustische Gegenstück eines Mittelfingers. Aber hey, noch vier Bier und wir spielen auch auf Kanaldeckeln und Karnevalströten noch guten Sound. Wozu also die Panik?

Die vier Bier kamen schneller als wir dachten.

Ok. Wir waren zugegebenerweise nicht mehr gaaanz nüchtern, als wir auf die Bühne gingen. Eine erotische Spannung lag in der Luft. Im Backstage-Bereich brannte die Hütte: Wir haben dort mit einer Gruppe Cheerleadern einen Hardcore-Porno gedreht. Franzi führte Regie. Draußen schrien die Fans unsere Namen. Die Sanis brachten zwei Mädels raus, da sie es in Ekstase geschafft hatten, sich selbst die Ellenbogen an die Nase zu drücken und nun nicht mehr frei kamen.

Als wir die Bühne betraten fielen gleich dutzende Frauen in Ohnmacht – ein paar Kerle auch, aber wir haben einfach nicht hingeschaut. Paddy dröhnte los, “Broken”, das passt. Es folgten eine Stunde unübertroffene Bühnenshow mit Nackteinlagen, während die Fans frenetisch mit einstiegen.

Am Ende geht Paddy. Wir zünden das Feuerwerk. Das Dach beginnt zu brennen. Es wird mit Bier gelöscht. Thomas steigt hinters Schlagzeug, wummert los. Das Fundament bebt. Wir spielen den neuen Song, der eigentlich noch keinen Namen hat. Und keinen Text. Niemand merkt das. Frank grinst. Er kommt tatsächlich durch mit seiner Nummer aus Pseudo-Englisch, wo einfach sinnlose Worte aneinander gereiht werden. Cool, machen wir nun immer so. Spart viel arbeit.

Selbst der Ohnmacht nahe schleppen wir uns wieder Backstage. Die Cheerleader wollen noch eine Zugabe, ein zweiter Teil soll gedreht werden. Wir wollen gerade anfangen, da klingelt der Wecker. Aua. Echt.

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